Bildung.digital – Rückblick

Am Samstag, 9. November 2019 trafen sich ca. 15 Personen im Laboratorium Luzern um über die Digitalisierung in der Bildung zu diskutieren. Nach zwei Inputs wurden in Gruppen die Themenbereiche Weiterbildung Lehrpersonen sowie Informatik-Grundkenntnisse besprochen.

Text und Fotos: Lukas Bucher

Der erste Input kam von Harald von Waldow, er ist seit über 30 Jahren Programmierer. In der Zwischenzeit beschäftigte er sich auch mit Umweltnaturwissenschaften und Systemadministration. Heute berät er hauptberuflich Wissenschaftler*innen im Datenmanagement.

Harald ist kein Pädagoge, hinterfragt aber kritisch, wie die Volksschule heute das Wissen in Informatik vermittelt. Deshalb führt er Computerkurse für Primarschüler*innen durch (www.computerdetektive.ch). Er ist Mitglied der Digitalen Gesellschaft und hat als solcher am Winterkongress 2019 referiert.

Seine Kritikpunkte an den öffentlichen Schulen sind die Fokussierung auf ein paar wenige Hersteller von Hardware und Software. Beinahe überall ist z.B. die Microsoft-Office-Palette im Einsatz. Die Schüler*innen lernen heute Word zu bedienen, anstatt zu verstehen, was dahinter steckt. Schulen bedienen sich heute auch Hardware wie z.B. den Google Chromebooks, auf denen es nicht möglich ist, andere Software als Google Chrome zu installieren. Die Funktionsweise von Computern zu verstehen ist damit nicht möglich.

Open-Source-Software ist in den Volksschulen noch überhaupt nicht weit verbreitet. Die Schulen, Städte und Gemeinden argumentieren mit «Einfachheit». Andere Möglichkeiten würden mehr Kreativität freisetzen. Er nennt das Dagstuhl Dreieck, das visualisiert, dass digitale Bildung aus drei Perspektiven betrachtet werden muss:

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Harald fokussiert in den Kursen der Computerdetektive besonders auf die technologische Perspektive. Die Kinder dürfen unter die Oberfläche schauen. Sei dies, indem sie einen Desktop-Computer öffnen und die einzelnen Komponenten erklärt erhalten, oder den Programmcode einer Software betrachten.

Desktop-Computer sind heutzutage nicht mehr sehr weit verbreitet. Aber die Komponenten sind auch in Laptops, Tablets und den Smartphones immer noch gleich.

Harald von Waldow wünscht sich, dass die Schulen mehr auf die eben genannten Themen eingehen.

Der zweite Input kam von Monika Stiller Thomas. Sie ist Lehrerin für Deutsch an der Kantonsschule Willisau. Sie beschäftigt sich als Lehrperson mit dem Thema Digitalisierung in der Bildung. Sie twittert regelmässig unter @ichbinstiller und hat einen eigenen Blog wo sie vor allem über digitale Chancen im Deutschunterricht auf der Sekundarstufe schreibt.

Ihr Input behandelte die Weiterbildung der Lehrpersonen. Es müssen zwei Welten zusammenkommen: Die Schüler*innen trennen nicht offline und online – für sie ist es das Gleiche. Die Lehrpersonen müssen darauf reagieren und die digitalen Chancen nutzen. Die Nutzung von Computern, Tablets, Smartphones soll ein Teil des Unterrichts sein. Dies beschränkt sich nicht nur auf den Informatikunterricht (Medien+Informatik).

Das Ziel nach dem Schulabschluss ist die Ermächtigung für die mündige Teilhabe und Mitgestaltung der Gesellschaft. Zeitgemässe Bildung macht die Schüler*innen bereit für den Arbeitsmarkt, aber vor allem auch die Gesellschaft.

Sie stellte das Konzept der 4K vor. Es formuliert Kompetenzen, die für Lernende im 21. Jahrhundert von herausragender Bedeutung sind: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken.

Dieses Modell kann auch für Prüfungen angewendet werden. Dadurch könnte man wegkommen von Bulimie-Prüfungen, wo der Lernstoff nach Ablegen der Prüfung bereits wieder vergessen wird.

Monika ist der Meinung, das Angebot der PH Luzern sei nicht mehr zeitgemäss, weil die Formen der Wissensvermittlung von der PH an die Lehrpersonen die gleichen veralteten Formen sind, welche die Lehrpersonen im Unterricht nicht mehr anwenden sollten.

Weitere Arten der Wissensvermittlung wären z.B. Peer-to-Peer-Lernen wie Barcamps, Karussell-Fortbildung oder Mikro-SchiLfs.

Monika hat sich das Zusatzwissen selbst angeeignet durch Internet-Recherche und Besuche von spezifischen Veranstaltungen. Lehrpersonen helfen sich untereinander und diskutieren weiter auf den Sozialen Medien. Beispielsweise via Hashtag #twitterlehrerzimmer auf Twitter. Leider sind solche Lehrpersonen noch eine Minderheit. Angehende Lehrpersonen bekommen an den Pädagogischen Hochschulen zu wenigmit, wie die Schule sich verändern muss. Die Weiterbildung muss heute auf anderen Wegen ergänzt werden.

Neben der Ausbildung, die sich ändern soll, fehlen auch klare Richtlinien und Empfehlungen, wie neu unterrichtet werden soll. Es gibt zum Beispiel im Kanton Luzern keine einheitlichen Regeln wie viele Aufsätze die Schüler*innen am PC schreiben dürfen oder müssen.

Im zweiten Teil wurden in wechselnden Gruppen die Themenbereiche Weiterbildung der Lehrpersonen sowie Informatik-Grundkomptenzen besprochen und die Fragen beantwortet: Wo will ich handeln? Wo steht die Politik in der Verantwortung? Offene Fragen? Einige Überlegungen und Forderungen zu diesen Fragen:

Die Schüler*innen sollen die Ermächtigung erlangen und vermittelt erhalten. Ethik und Kreativität sollen gestärkt und in einen digitalen Kontext gesetzt werden.

Es ergab sich nicht in allen Fragen eine gemeinsame Meinung. Einige Personen fanden, dass schon Primarschüler*innen das Programmieren erlernen sollten. Andere Personen würden das Programmieren erst in der Oberstufe unterrichten.

Es ergab sich, dass die PH offen sein müssen für andere Kantone. Sie sollen offen sein mit einer Übersicht von Angeboten und geklärter Finanzierung.

Die Handwerksfächer dürfen nicht zugunsten MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) abgebaut werden.

Die Politik soll Open-Source-Software für die Schulen fordern. Lokale Schulen sollen «Software-Labore» werden. Es braucht für die Lehrpersonen Unterstützung von ICT-Fachpersonen. Das Betreuungsverhältnis in den Klassen muss geregelt werden. Informatik kann in einem 1:22 Verhältnis nicht seriös unterrichtet werden.

Das vorgestellte 4K-Modell soll im Schulunterricht Einzug erhalten. Dazu könnte die Politik Anstösse geben.

Bei der Einführung neuer Fächer müssen auch die Konzepte und Module dazu eingeführt werden. Die Schulen sollen geöffnet und die Rolle der Lehrpersonen neu definiert werden.

Wie kann der digitale Graben überwunden werden? Wie können die Gewinne der Digitalisierung besser verteilt werden? Man merkte, dass der Begriff «Bildung» geöffnet werden muss. Aus der Betrachtungsweise als Politiker*in hat man sich auf die Volksschulen und Gymnasien konzentriert. Es gibt aber noch viele weitere Bildungsangebote und Formen von Bildung.

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